Unstrut-Werra-Radweg eröffnet

Radler auf dem Unstrut-Werra-Radweg
Radler auf dem Unstrut-Werra-Radweg

Der letzte neu gebaute Abschnitt vom Unstrut-Werra-Radwanderweg wurde am heutigen Montag eröffnet. Zwischen Göllingen und Rottleben rollen bereits Radler. Foto: Henning Most

Jetzt rollen die Radler auf dem kompletten Unstrut-Werra-Radweg
33 Fakten

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Um die letzte Lücke im Unstrut-Werra- Radweg zu schließen, wurden zwischen Sondershausen und Berka noch einmal 6,5 Kilometer Bitumenstrecke auf dem alten Bahndamm verlegt.

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Insgesamt 49 Kilometer Trasse mussten für die neue Route durch das nördlicheThüringen im Kyffhäuserkreis neu befestigt werden.

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Der Unstrut-Werra-Radweg schlängelt sich auf einer Länge von ungefähr 70 Kilometern zwischen Rockensußra undSchönfeld durch das Kreisgebiet

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Bis zu seinem Endpunkt beiTreffurt an der Werra zieht sich der Radwanderweg auf einer Länge von etwa 110 Kilometern durch die Landschaft zwischen den Flüssen.

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Mehr als sechs Jahre sind seit dem ersten Spatenstich zum Auftakt-Bauabschnitt für den Unstrut-Werra-Radweg vergangen. Heute (25.4.2016) wird er offiziell übergeben.

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Über 8,4 Millionen Euro wurden für den neuen Fernradweg innerhalb der gesamten Bauzeit ausgegeben. Allein der letzte Abschnitt bei Sondershausen schlug mit 2,2 Millionen Euro zu Buche.

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Den größten Teil der Kosten hat der Freistaat Thüringen getragen. Die Thüringer Aufbaubank zahlte für die reinen Radweg-Abschnitte 90 Prozent der Investitionssumme, 10 Prozent übernahm der Landkreis. Beteiligt waren auch die Kommunen, durch die der Weg läuft. Bei den Teilstücken, die auch vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt werden, mussten Land und Kreis nur 75 Prozent der Kosten aufbringen. Das restliche Viertel teilten sich das Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung (ALF) und die Kommunen, durch deren Flur der Weg verläuft. Drei Viertel dieses Betrages übernahm das ALF, ein Viertel die Gemeinden.

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Zum überwiegenden Teil wurde der Radweg auf der Trasse von eingestellten Bahnverbindungen angelegt. Auch der zuletzt fertig gestellte Abschnitt folgt der Strecke der Kyffhäuserbahn zwischen Sondershausen und Bad Frankenhausen. Wirtschaftswege wurden vor allem zwischen Gundersleben und Oberspier als Radfernverbindung neu ausgewiesen, auch im östlichen Abschnitt bei Ringleben radelt man auf solchen Wegen. Vorhandenen Straßen folgt die Radwanderroute nur in wenigen Ortsdurchfahrten wie in Oberspier, Sondershausen, Bad Frankenhausen oder Ringleben sowie am Start in Schönfeld.

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Vor allem in einigen Ortsdurchfahrten ist der Radweg noch eine Holperpiste. In Oberspier stellt die Siedlungsstraße mit ihren zahlreichen Schlaglöchern und der unbefestigten Oberfläche eine Herausforderung dar. Kopsteinpflaster strapaziert die Radfahrer bei der Fahrt durch Ringleben.

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Raststätten finden die Radwanderer zumindest auf dem Abschnitt westlich von Bad Frankenhausen in regelmäßigen Abständen von nur wenigen Kilometern. Die Halteplätze außerhalb der Ortschaften sind in vielen Fällen mit Waldschänken ausgestattet an denen Papierkörbe bereitstehen, um die Abfälle von einer Stärkung aufzunehmen. Im Stadtgebiet von Sondershausen, auf dem zuletzt neu gebauten Abschnitt des Radweges, stehen an den Rastplätzen lediglich Bänke ohne Überdachung zur Verfügung, dafür gibt es dort stabile Fahrradständer aus Edelstahl. Auch Müllbehälter sind dort vorhanden. Auf einigen Etappen des Radweges, die zuvor bereits als Wanderweg genutzt wurden, sind häufig einzelne Bänke als Sitzgelegenheit für Pausen zu finden.

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Durchgängig ist der Unstrut-Werra-Radweg mit der üblichen Beschilderung für Radrouten versehen. Kleine weiße Tafeln mit grünem, Radsymbol und Richtungspfeil geben zwischen den Kreuzungspunkten Orientierung. An Abzweigen und Kreuzungen sind Richtungsweiser mit den Namen der nächtsliegenden Orte und Entfernungsangaben im Hundert-Meter-Maßstab installiert. An markanten Punkten gibt es außerdem Richtungs- und Entfernungsangaben zu nahe liegenden Sehenswürdigkeiten abseits der Route.

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Es gibt ein komplettes Wegweiserkonzept mit touristischen Angeboten und Hinweisen zu Geschichte und Besonderheiten der Region entlang der Streckenführung vom Unstrut-Werra-Radweg im Kyffhäuserkreis. Die Erklärungstafeln mit einer Übersichtskarte zum Verlauf der Route, auf der der jeweils erreichte Wegpunkt hervorgehoben ist, wurden zeitgleich mit dem Abschluss der Bauarbeiten am Weg fertiggestellt.

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Derzeit wird bereits an speziellen Werbeprospekten für den Radweg gearbeitet. Das erklärte Matthias Deichstetter, der Vorsitzende vom Tourismusverband Südharz/Kyffhäuser auf Nachfrage unserer Zeitung. Darin soll nicht nur die Streckenführung übersichtlich dargestellt werden. Es sei auch daran gedacht, Wegweiser zu touristischen Highlights, in der Umgebung und ebenso zu Gasthäusern und Beherbergungsstätten einzubinden. Schon demnächst soll die Broschüre den Touristinformationen entlang der Radweg-Strecke zur Verfügung gestellt werden.

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Momentan wird an einem Wanderportal im Internet für die Region gearbeitet. Darin soll auch der Unstrut-Werra-Radweg einen eigenen Punkt erhalten. Um das Portal auch mobil nutzen zu können, wird es eine App für Smartphones und Tablet-Computer dazu geben.

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Auf dem zuletzt fertig gestellten Abschnitt des Unstrut-Werra-Radweges im Kyffhäuserkreis befindet sich auch die längste Brücke auf der gesamten Route. Das Bauwerk überspannt zwischen Jecha und Berka die Wipper. Dort wurden die beiden alten Bahnbrücken durch eine moderne Brücke für den Radverkehr ersetzt. Sie ist etwa 27 Meter lang. Ein weitere markante Brücke wurde in Sondershausen für den Radweg komplett saniert. Auf ihr überquerte bis vor wenigen Jahren noch die Kyffhäuserbahn die Bergstraße in der Nähe vom Südbahnhof.

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Auf seinem längsten Teilstück durch den Kyffhäuserkreis durchquert der Unstrut-Werra-Radweg die Gebiete von 17 Ortschaften. Er hat seinen Startpunkt in Schönfeld. Dann führt er über Ringleben, Esperstedt, Bad Frankenhausen, Rottleben, Göllingen, Hachelbich, Berka und Jecha über die Bahntrasse nach Sondershausen. Westlich davon folgt die Route der Straße nach Bebra und mündet dort wieder auf den Radweg nach Oberspier, von wo er über Hohenebra, Thalebra und Gundersleben nach Ebeleben verläuft. Rockensußra ist schließlich der letzte Ort am Radweg vor der Grenze zum Unstrut-Hainich-Kreis.

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Auf der gesamten Länge der Route zwischen Unstrut und Werra müssen Radfahrer einen Höhenunterschied von 275 Metern überwinden. Der Weg verläuft auf einem Niveau zwischen 152 und 427 Metern über dem Meeresspiegel.

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Seinen höchsten Punkt hat der Radweg erst in der Nähe von Mühlhausen. Auf dem Gebiet des Kyffhäuserkreises müssen die Radwanderer lediglich auf 331 Meter klettern. Diesen Gipfel erreichen sie nach 35,1 Kilometern Strecke von Schönfeld aus am Westhang des Possens.

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Der Startort am Unstrutufer inSchönfeld ist gleichzeitig auch der mit 152 Metern über Null am tiefsten liegende Punkt auf der gesamten Radweg-Strecke.

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Den steilsten Anstieg haben die Radwanderer zwischen Sondershausen und Oberspier am Possen zu überwinden. Dort gibt es einen nur wenige dutzend Meter langen Abschnitt mit einer Steigung von 18 Prozent. Auf der anderen Seite fällt der Vorsprung des Hainleite-Massivs mit dem gleichen Grad an Gefälle ab. Radfahrern legt hier ein Verkehrsschild nahe, zur Sicherheit von ihrem Drahtesel abzusteigen.

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Protest im Zusammenhang mit dem Bau des Radweges war nur einmal aufgeflammt, als die Trasse fast fertiggestellt war. In Sondershausen hatten sich Anwohner dagegen aufgelehnt, dass Bäume an den Böschungen der ehemaligen Bahntrasse gefällt werden sollten. Die Gehölze waren von Experten als überaltert oder krank eingestuft worden. Da sie außerdem in einer steilen Hanglage wurzelten, stellten sie offenbar eine erhöhte Gefahr für Benutzer des Radweges dar. Die Anwohner fürchteten, die Aussicht ins dichte Grün zu verlieren, wenn zu viele Bäume verschwinden. Letztlich wurden nur besonders gefährliche Gehölze gefällt.

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Mit dem Bau des Radwegs ist nicht bloß ein schwarzer Bitumenstreifen entstanden. Nebenbei wurden auch Teiche saniert, ein Haus abgerissen, Beton abgetragen und Insektenhotels errichtet. Denn, wer in Deutschland eine Fläche versiegelt, muss für einen Ausgleich sorgen. So sieht es das Bundesnaturschutzgesetz vor. In einem 50 Seiten dicken Plan wurden Maßnahmen für rund 700 000 Euro umgesetzt.

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Kunst am Unstrut-Werra-Radweg gibt es auch zu sehen. Zur Übergabe des stillgelegten Kyffhäuserbahn-Abschnitts in Sondershausen im Mai 2013 wurde der symbolische Handschlag von Bahn und Landkreis vor einer großen, eisernen Radskulptur medienwirksam inszeniert. Das Rad steht noch immer am ehemaligen Bahnübergang in der Possenallee der Kreisstadt. Auch wenn es inzwischen die Straßenseite gewechselt hat. Es ist nicht das einzige Rad am Radweg. In Gundersleben dient ein ausrangiertes Modell mit Körbchen und mit der Jahreszeit wechselnder Bepflanzung als kunstvoller blühender Wegweiser.

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Mit einem eigenen Logo ist der Unstrut-Werra-Radweg schon jetzt für die Fernradler aus aller Welt unverwechselbar. Allerdings ist das Zeichen lediglich an das zur Kennzeichnung für Radwege übliche Piktogramm angelehnt. Eine grüne Welle ist dabei das Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Radrouten in der Region. Ob ein gestalterisch eigenständiges Logo mit touristischem Hintergrund entworfen wird, ist derzeit noch völlig offen.

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Sowohl am Startort bei Artern als auch am Endpunkt beiTreffurt schließt der Unstrut-Werra-Radweg direkt an vorhandene Fernrouten an. In Schönfeld ist die Kreuzung mit dem Unstrutradweg gleichzeitig auch der Ausgangspunkt für die nun durchgängig befahrbare Trasse Richtung Westthüringen. Dort trifft der neue Radweg auf den bereits fertigen Werratal-Radweg. In Bad Frankenhausen gibt es eine Anbindung an die regionale Radroute zum Kyffhäuser und dem Stausee Kelbra. Bei Sondershausen kreuzt die Route gleich mehrere Anknüpfungspunkte zum Radweg rund um Sondershausen. Geplant ist, bei Göllingen einen Abzweig durch den Wipperdurchbruch zum Radweg in die Steinzeit, der in Bilzingsleben im LandkreisSömmerda endet, anzulegen.

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Außer durch reizvolle Landschaften führt der Unstrut-Werra-Radweg auch durch spezielle Schutzgebiete. Besonders erwähnenswert ist dabei das Esperstedter Ried. Dort verläuft die Radtrasse direkt an einem wegen seiner besonderen Vielfalt an Vögeln ausgewiesenen Flora-Fauna-Habitat entlang. Für eine Rast lohnt sich ein Stopp am Beobachtungsposten mit Blick auf das Vogelparadies im Osten des Kyffhäuserkreises.

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Für die baulichen Anlagen, darunter fällt natürlich auch die Bitumendecke, entlang des Weges gibt es eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von vier Jahren. Bis dahin muss der Hersteller für Mängel haften und sie gegebenenfalls ausbessern.

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Mountainbike-Fahrer finden in Bad Frankenhausen am Stadtrand an der gelben Brücke ein speziell für sie angelegtes Gelände mit Kurvenpisten und Sprunghügeln direkt neben der befestigten Fernradtrasse. Natürlich finden die Geländefahrer auch dort, wo sich der offizielle Radweg am Possen-Massiv entlang schlängelt, Möglichkeiten, direkt von der Bitumenpiste auf Waldwege abzuschwenken.

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Die Polizei plant vorerst keine besonderen Kontrollen der Sicherheit von Fahrrädern am neuen Abschnitt des Radweges durch Sondershausen. Überlegenswert seien solche Aktionen aber durchaus, hieß es aus der Sondershäuser Polizeidienststelle.

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Feierlich wird der Radweg heute (25.4.2016) in Sondershausen-Jecha eröffnet. Darüber hinaus ist bereits ein Bürger- und Familienfest am Unstrut-Werra-Radweg in mehreren Ortschaften geplant. Als Termin können sich Radfreunde den 21. Mai im Kalender markieren.

Quelle: Thüringer Allgemeine